Danke für 30 Jahre grüne Haltung im Würzburger Stadtrat!
Nach 30 Jahren im Würzburger Stadtrat wurden Karin Miethaner-Vent und Antonino „Nuccio“ Pecoraro am 28. April offiziell verabschiedet und mit der Ehrenmedaille der Stadt Würzburg ausgezeichnet! Beide blicken auf eine beeindruckende politische Wegstrecke zurück und erhielten im Laufe der Jahrzehnte verschiedenste Ehrungen und Auszeichnungen. Beide sind echte „Urgesteine“ der Würzburger Grünen, die unsere Politik vor Ort über jahrzehnte maßgeblich geprägt haben. Beiden danken wir herzlich für ihren immensen Einsatz und das kollegiale Miteinander!
Koryphäe für den Naturschutz: Danke, Karin!!
Mit stolzen 81 Jahren verlässt Karin das Gremium, in dem sie seit 1996 Debatten geschärft und unzählige Entscheidungen kritisch begleitet hat. Karin war lange Zeit kein Parteimitglied – und vielleicht war genau das eine ihrer großen Stärken. Sie war frei in dem, was sie tat, und immer nur einer Sache verpflichtet: dem, was sie für richtig hielt. Sie wollte nicht geliebt werden für das, was sie macht. Ihr war wichtig, dass Unterlagen gelesen werden, dass genau hingeschaut wird und Widersprüche in Frage gestellt werden, dass man sich fragt: Was passiert wirklich, wenn wir etwas beschließen – oder wenn wir etwas ablehnen?

Karins Wissen war legendär. Aufgewachsen in Würzburg, bestens vernetzt, mit einem unglaublichen Gedächtnis für Menschen, frühere Pläne und Zusammenhänge. Karin wusste: Verworfene Pläne sind selten erledigt. Sie kommen wieder. Sie blieb ihrem Grundsatz treu: „Manchmal ist es schlicht das Beste, etwas nicht zu machen“.
Das war oft unbequem, aber richtig! Ob beim Schutz des Ringparks, beim Kampf gegen Bebauung und Versiegelung, bei Bebauungsplänen, Umweltfragen, Stadtbild, Trinkwasser oder – ihrem Steckenpferd – Naturschutz: Karin war tief eingearbeitet, unbestechlich und äußerst hartnäckig.
Als langjährige Vorsitzende des BUND Naturschutz engagierte sich für natürliche Habitate, den Umweltschutzbeirat, den Verschönerungsverein und viele weitere Bereiche, die Würzburg grüner und lebenswerter gemacht haben. 2020, als die Fraktion sich fast verdoppelt hatte, übernahm sie gemeinsam mit Patrick Friedl Verantwortung im Fraktionsvorsitz.

Karins Stärke war immer: Dinge bis zum Ende zu denken. Gründlich zu sein. Nichts einfach zu glauben. Genau diesen Rat gab sie uns auch zum Abschied mit: „Seid gründlich und glaubt nichts.“
Karin selbst blickt mit Humor und Klarheit zurück – auf die Mühen des Kandidierens, auf das Lesen unzähliger Bebauungspläne, auf Zeiten, in denen grüne Stimmen noch belächelt wurden. Sie erinnerte daran, dass manches, wofür sie vor Jahrzehnten ausgelacht wurde, heute aktueller ist denn je! Und sie sagte auch, worauf sie besonders stolz ist: Martin Heilig als ersten grünen Oberbürgermeister Bayerns vereidigt zu haben! Lange Jahre glaubte sie, die Grünen würden ewig Opposition bleiben – heute stellen wir in Würzburg die stärkste Fraktion im Stadtrat – mit einem grünen Oberbürgermeister und einer Klimabürgermeisterin. Doch eins ist klar: Ohne Karin wären wir nicht da, wo wir heute sind. Und wir wären nicht so grün.
Karin wird uns sehr fehlen. Wenn wir künftig vor schwierigen Entscheidungen stehen, werden wir uns wohl oft fragen: Was würde Karin dazu sagen? Ihre Antwort darauf war typisch Karin: „Ihr könnt mich ja fragen!“
Liebe Karin: Danke für deine Haltung, deine Klarheit, deine Hartnäckigkeit und all das, was du uns mitgegeben hast!
Brückenbauer mit Herz: Danke, Nuccio!
Auch Nuccio hat über Jahrzehnte unsere Stadt mitgestaltet – leise, beharrlich und mit einem klaren Kompass: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Nuccio kam aus einem kleinen Dorf in Sizilien nach Deutschland, zunächst in ein kleines deutsches Dorf. Er lernte die Sprache, arbeitete als Eisverkäufer und fand schließlich in Würzburg seine Heimat. 1996 stieg er ohne politische Vorkenntnisse in die Kommunalpolitik ein – und musste sich vieles hart erarbeiten. Dass er einmal zu den prägenden Persönlichkeiten des Stadtrats gehören würde, war damals nicht absehbar. Heute ist klar: Würzburg wäre ohne ihn ein anderes.

Seine Themen waren Kulturpolitik und Integration – und beides hat er mit Leben gefüllt. Als Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Integrationsbeirats hat er Strukturen geschaffen, die heute stark aufgestellt sind. Für Nuccio ging es dabei nie um abstrakte Debatten, sondern immer um konkrete Situationen. Besonders Geflüchtete hat er unterstützt – oft im Hintergrund, ohne großes Aufsehen, aber mit großer Wirkung. Er hat zugehört, vermittelt, geholfen. Und er hat ein beeindruckendes Netzwerk aufgebaut, um Wohnraum zu finden und Perspektiven zu schaffen. Darüberhinaus hat er in fast allen Ausschüssen und Beiräten mitgewirkt, konnte überall mitreden und hat die Grünen über Jahrzehnte hinweg auch im Aufsichtsrat der Stadtbau GmbH vertreten.

Nuccios Stärke war nicht die laute Bühne, sondern das stille, wirksame Handeln. Mit Gelassenheit, Charme und einem feinen Gespür für Menschen hat er Herzen erreicht – und Türen geöffnet. Er war und ist ein Brückenbauer – zwischen Kulturen, zwischen Menschen, zwischen Städten. Die Verbindung zu seiner Heimatstadt Siracusa hat er über mehr als 50 Jahre lebendig gehalten. Städtepartnerschaften waren ihm eine Herzensangelegenheit. Dass ihn sowohl in Würzburg als auch in Sizilien „jeder kennt“, ist kein Zufall – es ist das Ergebnis echter Beziehungspflege. Für Nuccio war immer klar: Menschen, die am Rand stehen, brauchen Unterstützung. Das war sein Antrieb. Und er hat dazu beigetragen, dass sich das Klima in dieser Stadt verändert hat.
Seine eigenen Worte zum Abschied sind dabei so schlicht wie kraftvoll: „Im Laufe der Jahre hat sich das Klima geändert in dieser Stadt – und ich bin dankbar, dass ich dazu beitragen konnte, weil ich immer mit den Leuten geredet habe.“
Sein Abschied aus dem Stadtrat ist kein Abschied aus dem kommunalpolitischen Engagement. Nuccio bleibt aktiv – im Arbeitskreis Städtepartnerschaft und bei der Neugründung des Vereins „Siracusa–Würzburg“. Und er gewinnt Zeit für das, was er liebt: Theater – und mehr Zeit in Sizilien. Wobei längst klar ist: Würzburg ist genauso seine Heimat. Nuccio hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen mit Migrationsgeschichte sich politisch einbringen. Seine Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte – und ein starkes Zeichen für unsere Stadt.
Lieber Nuccio: Danke für deinen Einsatz, deine Wärme, deine Ausdauer und deine Menschlichkeit. Du hast Würzburg geprägt – und du wirst es weiterhin tun!
Mutig, klar, engagiert: Danke, Lysander!
Eine Legislaturperiode im Stadtrat – und trotzdem bleibende Spuren hinterlassen: Mit großer Klarheit hat Lysander Laier queere Themen in den Stadtrat getragen und sichtbar gemacht. Themen, die lange zu wenig Raum hatten. Themen, die für viele Menschen in unserer Stadt von zentraler Bedeutung sind. Damit hat er nicht nur politische Impulse gesetzt, sondern auch ganz konkret Mut gemacht – Mut, sichtbar zu sein, Mut, sich einzubringen, Mut, für die eigenen Rechte einzustehen.
Doch Lysanders Engagement ging weit darüber hinaus. Er war ein kritischer Denker, jemand, der Dinge hinterfragt und nicht einfach hinnimmt. Mit großer Leidenschaft setzte er sich für soziale Gerechtigkeit ein und dafür, dass das Leben in Würzburg für alle Menschen besser wird – unabhängig von Herkunft, Lebensrealität oder sozialem Status. Als angehender Jurist brachte er eine besondere Stärke mit: Akribie und Verlässlichkeit. Gerade bei den oft trockenen, aber entscheidenden Themen wie Satzungen arbeitete er sich tief ein, las genau, analysierte und sorgte dafür, dass Entscheidungen auf einer fundierten Grundlage getroffen werden konnten.
Sein politischer Kompass war dabei immer klar ausgerichtet: auf diejenigen, die oft übersehen werden. Sein Wunsch an den neuen Stadtrat bringt das auf den Punkt: „Vergesst nicht die Schwächsten – die Kinder, Jugendlichen, Benachteiligten und Obdachlosen.“ Dieser Satz ist mehr als ein Abschiedsgruß. Er ist Auftrag und Erinnerung zugleich.
Lieber Lysander: Danke für deinen Mut, deine Klarheit und dein Engagement. Du hast wichtige Themen gesetzt und Perspektiven geöffnet, die bleiben werden!
