NACHGEFRAGT: Ausfall ÖPNV am 26.01.2026

Schriftliche Anfrage von Niklas Dehne vom 26.01.2026

Verursacht durch den starken Schneefall in Würzburg sind am 26.01. keine Straßenbahnen und Omnibusse eingesetzt worden. Diese Entscheidung im Betrieb der WSB ist in Anbetracht der erschwerten Wetterbedingungen hinsichtlich des Busverkehrs nachvollziehbar. Bislang war es in vergleichbaren Konstellationen jedoch üblich, zumindest den Betrieb der Straßenbahnen aufrechtzuerhalten, zumal
schienengebundene Verkehrsmittel witterungsunabhängiger eingesetzt werden können und ohne Betrieb das Risiko von Frost an der Oberleitung steigt. Daher bitte ich darzulegen, weshalb nicht einmal ein Notbetrieb mit reduzierter Taktdichte auf den Linien 4 und 5 ermöglicht werden konnte und wie der Betrieb der WSB für künftige Schneefallszenarien vorbereitet ist.

Aufgund der Betroffenheit der ganzen Stadt wird diese Anfrage abweichend vom Aufsichtsrat im Plenum eingereicht.

Antwort vom Umwelt-u. Klimareferat

Weshalb konnte kein Notbetrieb mit reduzierter Taktdichte auf den Linien 4 und 5 ermöglicht werden?

Die WSB steht für einen sichern, zuverlässigen und attraktiven ÖPNV in Würzburg. Die Sicherheit der Fahrgäste hat oberste Priorität, der diensthabende Betriebsleiter (BOStrab) trägt dafür die persönliche Verantwortung.

Infolge der anhaltenden und sehr starken Schneefälle am Abend des Sonntages, 25.01.2026 blieb um ca. 23:30 Uhr im Bereich der stadtauswärtigen Straßenbahnhaltestelle „Berner Straße“ aufgrund des Schienenzustandes ein Straßenbahnfahrzeug (GT-N 253) liegen und konnte aus eigener Kraft die Fahrt nicht fortsetzen. Erst unter Hinzuziehung von Hilfskräften, die den Schnee unter dem Fahrzeug entfernt und den vereisten Schienenkopf mit Sand abgestreut hatten, konnte das Fahrzeug den Haltestellenbereich verlassen und in den Abstellbetriebshof Heuchelhof einrücken.

Ein zeitgleich in stadteinwärtiger Fahrtrichtung befindliches Fahrzeug (GT-N 254) wurde von der Straßenbahnhaltestelle „Berner Straße“ ebenfalls in den Abstellbetriebshof gefahren. Der Fahrer meldete zuvor, dass die Bremswirkung des Fahrzeuges nicht mehr vorhanden wäre und er nur mit großer Mühe an der stadteinwärtigen Straßenbahnhaltestelle „Berner Straße“ zum Halten gekommen sei. Da der Gleisbereich am Heuchelhofberg hiermit nicht mehr befahrbar war, wurden die beiden noch im Einsatz befindlichen Straßenbahnfahrzeuge (GT-E 205 und GT-N 251) in den Betriebshof Sanderau überführt.

In den frühen Morgenstunden des Montages, 26.01.2026 wurde der Versuch unternommen, mittels des Schienenpflegewagens 295 (sog. „Eiskratzer“) das Gleisnetz befahrbar zu halten. Dieser Vorgang wird mit „Freifahren“ umschrieben und stellt ein probates Mittel dar. Allerdings musste der Fahrer dieses Wagens um ca. 3:00 Uhr melden, dass er die Fahrtstrecke in die Zellerau nicht befahren konnte, da er im Bereich der stadtauswärtigen Straßenbahnhaltestelle „Nautiland“ aufgrund der Schneemassen und der vereisten Schienenrille nicht mehr weiter kam. Er fuhr zurück zur Juliuspromenade. Von dort aus setzte er seine Fahrt in Richtung Heuchelhof fort, meldete aber um 3:40 Uhr, dass er an der stadtauswärtigen Straßenbahnhaltestelle „Steinbachtal“ aufgrund der Schneehöhe nicht mehr weiterfahren könne. Das Fahrzeug wurde anschließend in den Betriebshof Sanderau zurücküberführt.

In der zeitlichen Folge wurde versucht, mit der Arbeitslok 299 (mit Schneepflug) den Gleisbereich vom Schnee zu befreien. Aufgrund der deutlich höheren Achslast dieser Arbeitslok ist eine größere Chance gegeben, dass etwaige Eiseinlagerungen in der Schienenrille ausgefahren werden könnten. Allerdings kam dieses Fahrzeug ebenfalls an der stadtauswärtigen Straßenbahnhaltestelle „Nautiland“ nicht mehr weiter und musste zurück zur Juliuspromenade fahren. Dies war der Zeitpunkt, dass die Bemühungen zur Befahrbarhaltung des Schienennetzes als zunächst gescheitert angesehen werden mussten. In der Konsequenz musste die Entscheidung getroffen werden, dass am Montag, 26.01.2026 der Straßenbahn-Linienbetrieb nicht aufgenommen werden konnte. Die starken Schneefälle dauerten weiterhin an.

Um 10:20 Uhr wurde ein weiterer Versuch unternommen, unter Einsatz von Pickeln und Schaufeln den Rillenbereich am Nautiland von Eis und Schnee zu befreien, anschließend sollte die Arbeitslok 299 die Zellerau „freifahren“. Ein GT-E (Wagen 208) sollte nachfahren und durch anschließendes permanentes Befahren dazu beitragen, dass das Gleisnetz sich nicht noch stärker zusetzt. Die Aktion musste allerdings ebenfalls abgebrochen werden, da in der Zellerau im Bereich des straßenbündigen Bahnkörpers zwischen Wörthstraße und Hartmannstraße die Gleisrillen komplett durch den dort überfahrenden Individualverkehr mit Eis und komprimiertem Schnee zugesetzt waren. Dies führt einerseits zu einer drastischen Erhöhung der Entgleisungsgefahr durch Aufsteigen und andererseits bewirkt das Eis, dass das Fahrzeug elektrisch isoliert steht und die Stromversorgung unterbrochen ist.

Im Verlauf des Tages erfolgten weitere Versuche, durch den Einsatz von Straßenbahnfahrzeugen (GT-E 208) das Liniennetz befahrbar zu machen. Allerdings musste dieser Einsatz abgebrochen werden, da durch den permanenten Schneefall sowohl die Bremseinrichtungen (Bremssättel vereist, Sandfallrohre durch Schnee zugesetzt, Schienenbremsen vereist) ihre Funktion verloren hatten, als auch der weiterhin in gehöriger Intensität fallende Schnee nicht aus dem Gleisbereich entfernt werden konnte.

Am späteren Abend des 26.01.2026 gegen ca. 21:30 Uhr ließ der Schneefall in Würzburg nach.

Die Bemühungen sowohl der Beschäftigten der WSB als auch der Winterdienstmitarbeiter der Stadt fokussierten sich in der Nacht von Montag, 26.01. auf Dienstag, 27.01.2026 auf die Beseitigung der Schneemassen sowohl aus dem Gleisbereich als auch von den Haltestellenflächen. Die Außenschwenktüren der Straßenbahn können den auf der Haltestelle befindlichen Schnee nicht wegdrücken und gehen in Störung bei Auftreffen auf dieses Hindernis. Deswegen ist es erforderlich, dass zumindest der Schwenkbereich der Außenschwenktüren auf den Straßenbahnhaltestellen vom Schnee befreit wird, bevor ein Fahrgastwechsel dort stattfinden kann. Die diesbezüglichen Bemühungen waren insofern von Erfolg gekrönt, dass zumindest die Linie 4 ihren Linienbetrieb aufnehmen konnte. Die Straßenbahnlinie 5 hingegen musste zunächst durch einen Schienenersatzverkehr mit 7 Bussen abgedeckt werden. Das Räumen der Haltestellenflächen nahm aufgrund der großen Schneemenge gehörige Zeit in Anspruch.

Die erste planmäßige Linienfahrt der Straßenbahnlinie 5 wurde um 10:54 Uhr ab Rottenbauer durchgeführt.

Wie ist die WSB auf künftige Schneefallszenarien vorbereitet?

Eine gezielte Vorbereitung auf zukünftige Schneeereignisse über den bereits vorhandenen Umfang hinaus ist nicht erforderlich. Die etablierten Mechanismen zur Gefahrenabwehr sind in ihre Funktion entwickelt und haben gegriffen. Es wäre unseriös zu behaupten, dass ein Schneeereignis vom 25./26.01.2026 ohne Einschränkungen für den Betrieb hätte beherrscht werden können, da auch mit Material und durch Personal in noch deutlich größerem Umfang dies nicht hätte ermöglicht werden können. Dazu war die Intensität der Schneefälle einfach zu mächtig.

Derartige Naturereignisse werden auch zukünftig nicht ohne betriebliche Einschränkungen einher gehen, da die Grenzen des technisch und personell Machbaren nicht ausgehebelt werden können.

Zielsetzung der WSB bleibt es in diesen Fällen, den sicheren Betrieb des ÖPNV im Zusammenspiel mit den städtischen Dienstellen so schnell wie möglich wieder herzustellen.