Stellungnahme der Kreistags- und Stadtratsfraktion zum Abschluss der Raumverträglichkeitsprüfung für das geplante Knauf-Gipsbergwerk

Die Kreistags- und Stadtratsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen zeigen sich enttäuscht über das Ergebnis der Raumverträglichkeitsprüfung für das geplante Gipsbergwerk in der Altertheimer Mulde:
Die Regierung von Unterfranken räumt in ihrer Beurteilung ein, dass ein Restrisiko für die Trinkwasserversorgung bestehen bleibt, erklärt dieses jedoch für „beherrschbar“. Für Klimabürgermeisterin Sandra Vorlová ist klar: „Beim Schutz unseres Trinkwassers kann es kein akzeptables Restrisiko geben! Trinkwasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Es ist unverantwortlich, für wirtschaftliche Interessen auch nur ein geringes Risiko für die Wasserversorgung von zehntausenden Menschen einzugehen!“
Dieser Meinung ist auch die Kreistagsfraktion der Grünen. Sven Winzenhörlein, Ko-Fraktionsvorsitzender, erklärt:
„Das Raumverträglichkeitsgutachten der Regierung von Unterfranken macht deutlich, dass bestehende Risiken zwar erkannt wurden, diese jedoch gegenüber dem wirtschaftlichen Nutzen relativiert werden. Für uns ist klar: Der Schutz unseres Trinkwassers und die Gesundheit der Bevölkerung haben oberste Priorität und dürfen nicht hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen.“
Die Bedeutung der Zeller Quellen für Würzburg und den westlichen Landkreis kann kaum überschätzt werden. Trinkwasser aus den Zeller Quellen versorgt seit über 100 Jahren die Stadt Würzburg sowie umliegende Gemeinden wie Zell am Main, das betroffene Trinkwassereinzugsgebiet speist auch die Brunnen in Waldbrunn und Altertheim sowie die inzwischen aufgelassene und nicht mehr genutzte selbstständige Versorgung der Gemeinden Hettstadt und Waldbüttelbrunn.
Insgesamt decken die Zeller Quellen gut die Hälfte des Trinkwasserbedarfs der Stadt Würzburg, für die regionale Wasserversorgung werden sie als nicht ersetzbar eingestuft. Angesichts des Klimawandels, sinkender Grundwasserneubildung und zunehmender Trockenperioden muss der Schutz dieser Ressourcen oberste Priorität haben.
Besonders besorgniserregend ist, dass renommierte Geologen und Hydrogeologen der Universität Würzburg sowie weitere unabhängige Fachleute seit Jahren auf die besonderen geologischen Risiken des Vorhabens hinweisen. Sie warnen vor den komplexen Kluft- und Karststrukturen sowie tektonischen Störungszonen, die nach ihrer Einschätzung in den der Raumverträglichkeitsprüfung zugrunde gelegten Gutachten nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Frage, ob eine dauerhaft sichere Trennung zwischen Bergwerk und Grundwasserleiter gewährleistet werden kann, ist aus ihrer Sicht nicht abschließend beantwortet.
Jessica Hecht, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag und Gemeinderätin aus Zell am Main, ergänzt:
„Für eine Risikoeinschätzung gibt es bei diesem Vorhaben keine Erfahrungswerte, nur Schätzungen. Niemand hat bisher unter einem Trinkwasserleiter so ein riesiges Bergwerk gebaut. Ein geschätztes Risiko für akzeptabel zu erklären bei einem so wertvollen und bedrohten Gut wie dem Trinkwasser, finde ich unverantwortlich. Ich kann die Entscheidung der Regierung von Unterfranken daher nicht nachvollziehen. Sie ist in jedem Fall mutlos, denn jetzt wird die Entscheidung nicht in Unterfranken getroffen, sondern beim Bergamt in Bayreuth oder vor Gericht.“
Auch Patrick Friedl, Landtagsabgeordneter aus Würzburg und Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung, erklärt: „Angesichts der Bedeutung der Zeller Quellen für die Wasserversorgung der Region, der zunehmenden Klimaerhitzung mit zurückgehender Grundwasserneubildung und im Blick auf die erheblichen Gefahren durch das geplante Bergwerk ist die Zuerkennung der Raumverträglichkeit vollkommen unverständlich.“
Grüne Mandatsträgerinnen und Mandatsträger haben sich in den kommunalen Gremien in Stadt und Landkreis Würzburg von Beginn an eindeutig gegen die Pläne der Firma Knauf ausgesprochen.
Sie sehen sich darin auch in der Pflicht gegenüber den Bürgerinitiativen in Waldbrunn und Altertheim, die sich mit großem Sachverstand und hohem ehrenamtlichem Einsatz für den Schutz der Zeller Quellen und gegen den Gipsabbau in Altertheim einsetzen.
„Tausende Einwendungen und Unterschriften gegen das Knauf-Bergwerk zeigten deutlich, dass es in der Bevölkerung begründete Bedenken zum Umgang mit dem Allgemeingut Trinkwasser gibt, die bislang nicht berücksichtigt worden sind.“ so Kerstin Celina, Mitglied des Landtags und Sprecherin für Sozialpolitik. „Als kommunale Mandatsträgerinnen und Mandatsträger fühlen wir uns der Daseinsvorsorge verpflichtet. Dazu gehört vor allem der Schutz einer sicheren und sauberen Trinkwasserversorgung.“
Unklar ist derzeit vor allem auch, wie es nach dem Abbau mit dem Bergwerk weitergeht und welche Risiken dadurch entstehen können. Sebastian Hansen, 1. Bürgermeister von Waldbüttelbrunn und Kreisrat, sorgt sich deshalb: „Durch die fehlende Prüfung der langfristigen Auswirkungen des dann leeren Bergwerks wissen wir nicht, ob unser Trinkwasser kommenden Generationen noch zur Verfügung stehen wird. Sollte die Gemeinde Waldbüttelbrunn jemals wieder eine eigene Trinkwasserversorgung aufbauen müssen, könnte das Bergwerk dann auch negative Auswirkungen darauf haben. Wer Verantwortung für die Zukunft übernimmt, darf beim Trinkwasser keine Kompromisse eingehen.“
Die Grünen erwarten deshalb, dass das nun folgende bergrechtliche Genehmigungsverfahren alle offenen fachlichen Fragen sorgfältig und transparent prüft und die Eingaben der Bürgerinnen und Bürger in seine Entscheidung einbezieht. 

Barbara Lehrieder und Konstantin Mack (Ko-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat) sind sich aber sicher: „Da bisher weiterhin nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann, dass das Bergwerk die Zeller Quellen und damit die Trinkwasserversorgung der Region gefährdet, darf dieses Vorhaben keine Genehmigung erhalten.“

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