ES GEHT WEITER: Antrag vom 24.09.2025 – zum Interkommunalen Ausschuss (IKA)
Der Antrag fand im IKA am 10.02. eine Mehrheit (14:3) und wird nun weiterverfolgt. Nach einem Probebetrieb will sich der Ausschuss erneut mit dem Thema befassen.
Der interkommunale Ausschuss stadt.land.wue möge beschließen:
- Der interkommule Ausschuss fordert das Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg sowie die WVV auf, den kontrollierten Vordereinstieg in Bussen im Stadt- und Landkreis Würzburg abzuschaffen und den Einstieg an allen Türen zu ermöglichen.
- Die Umsetzung soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens jedoch zum 01.01.2026 erfolgen. Aufgrund der starken Verknüpfung des ÖPNV-Angebots von Stadt und Landkreis ist ein gemeinsames Vorgehen sinnvoll.
- Das KU und die WVV werden beauftragt, ein Konzept für stichprobenartige Fahrscheinkontrollen durch Kontrollpersonal zu erarbeiten, um die Schwarzfahrerquote weiterhin niedrig zu halten.
- Über die Umsetzung und erste Erfahrungen soll dem interkommunalen Ausschuss nach sechs Monaten berichtet werden.
Begründung:
Der kontrollierte Vordereinstieg in Bussen führt zu zahlreichen Nachteilen für Fahrgäste und den ÖPNV-Betrieb:
- Verlängerte Haltezeiten und Fahrzeitverluste: Durch den Vordereinstieg mit Fahrscheinkontrolle entstehen längere Standzeiten an Haltestellen, was zu Verspätungen im Fahrplan führt. Dies widerspricht dem Ziel eines attraktiven und kosteneffizienten ÖPNV.
- Komfortverlust für Fahrgäste: Fahrgäste müssen umständlich nach Fahrscheinen oder Handys suchen, während andere warten. Besonders für Personen mit Gepäck, Einkäufen oder kleinen Kindern stellt dies eine unnötige Hürde dar.
- Ungleiche Auslastung der Fahrzeuge: Im vorderen Bereich der Busse entsteht häufig Gedränge, während im hinteren Bereich noch Sitzplätze frei sind. Insbesondere mobilitätseingeschränkte Personen scheuen den Weg durch den bereits anfahrenden Bus.
- Sicherheitsrisiken: Fahrgäste müsse nihren Fahrschein vorzeigen, ihn wieder verstauen, durch den Bus gehen und einen Sitzplatz suchen – oft während der Bus bereits anfährt. Dies erhöht die Unfallgefahr.
- Ineffektive Kontrolle: Die Sichtkontrolle durch Busfahrer*innen ist bei digitalen Tickets (ETickets, QR-Codes) faktisch wirkungslos, da eine echte Validierung nicht möglich ist. Zudem belastet die zusätzliche Aufgabe der Fahrscheinkontrolle die Fahrer*innen.
Zahlreiche Städte haben den kontrollierten Vordereinstieg wieder abgeschafft, darunter München, Augsburg, Mainz und Aachen. Auch während der Corona-Pandemie wurde in Würzburg der Vordereinstieg bereits ausgesetzt, ohne dass negative Folgen zu verzeichnen waren.
Eine Umfrage des VCD bestätigt, dass der Vordereinstieg von vielen Fahrgästen als fahrgastunfreundlich und teilweise sogar als Schikane empfunden wird. Zudem widerspricht die aktuelle Praxis dem Ziel einer Gleichbehandlung aller ÖPNV-Nutzer*innen, da in Straßenbahnen und Regionalbahnen selbstverständlich alle Türen genutzt und eine stichprobenartige Kontrolle durchgeführt ist. Dieses grundsätzliche Vertrauen sollte auch Busnutzer*innen entgegengebracht werden.
Die Abschaffung des kontrollierten Vordereinstiegs würde die Attraktivität des ÖPNV im Stadt- und Landkreis Würzburg deutlich steigern und einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten.
Stichprobenartige Kontrollen durch Kontrollpersonal haben sich in anderen Städten als effektiver erwiesen, um Schwarzfahren zu verhindern. Mit der Umsetzung dieses Antrags würde die Region Würzburg dem Beispiel anderer fortschrittlicher Städte folgen und den ÖPNV komfortabler, effizienter und attraktiver gestalten.
gez.
Aljoscha Labeille, Sebastian Hansen, Niklas Dehne, Christa Grötsch
– auch für die Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreistag Würzburg und im Stadtrat Würzburg –