Berichterstattung zur Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED

Moderne Straßenlaterne mit LED
Beispiel für LED-Straßenlaterne

Interfraktioneller Antrag vom 19.03.2021 als Ergänzungsantrag zum Antrag vom 24.02.2021

Beide Anträge auf Berichterstattung wurden in der Stadtratsitzung am 22.04.2021 behandelt. Hier ordnen wir die Ergebnisse des Berichtes der WVV ein und ziehen ein Fazit.

Wir wünschen Einblick in den Status Quo der im Jahr 2014 beschlossenen energetischen Sanierung von Straßenbeleuchtung: Zielerreichungsgrad, Visualisierung des Ist-Standes sowie weitere geplante Maßnahmen im Zuge der Umstellung auf CO2-einsparende Straßenbeleuchtung in Form von LED oder solarbetriebener Beleuchtung. In einem interfraktionellen Antrag mit der Fraktion DIE LINKE erweitern wir unser Anliegen um ökologische Gesichtspunkte. Wir wollen wissen, ob bei der Ausschreibung der neuen Leuchtmittel neben der energetischen Sanierung auch an die Umweltverträglichkeit zum Schutz von Natur und Bevölkerung gedacht wurde, z.B. durch Vorschriften zu Leuchtdichte, Helligkeit und Farbtemperatur.


Unser Fazit aus dem Bericht zur Straßenbeleuchtung vom 22.04.2021

Die Berichterstattung zur Straßenbeleuchtung seitens der WVV war hinsichtlich der energetischen Fragestellungen aus unserer Sicht zufriedenstellend. Alle Quecksilberdampflampen wurden bis 2020 ersetzt. Bis 2023 sollen auch die noch verbleibenden Leuchtstoffröhren durch LED ersetzt werden. Durch diese Maßnahme konnten seit 2019 rund 5.6 Mio kWh Energie eingespart werden, was 2.703 Tonnen CO2 und einer jährlichen Kostenersparnis von 363.000 € entspricht.

LED-Leuchten sind sehr energieeffizient und damit klimafreundlich, aber aufgrund ihrer Helligkeit für das Ökosystem schädlicher als die Natriumdampfhochdrucklampen, deren Anteil im Würzburger Stadtgebiet noch 29% beträgt. Aus ökologischer Sicht sollten diese Leuchten deshalb erst ersetzt werden, wenn die LED-Lampen denselben ökologischen Kriterien entsprechen. Im zweiten Teil des Berichtsantrags wurde auf die ökologischen Gesichtspunkte der Straßenbeleuchtung eingegangen.

Zitat: „Alle Leuchten erfüllen den aktuellen Stand der Technik, sind DarkSKY zertifiziert und entsprechen den Anforderungen aus dem European Light Pollution Act. Somit ist eine Abstrahlung nach oben ausgeschlossen. Als Lichtfarbe wurde von 2014 bis 2020 die Lichtfarbe 4000 K ausgewählt. Seit 2020 ist die Lichtfarbe 3000 K Standard bei der Umrüstung. Vor 2020 war die Farbe 4000 Kelvin wegen der höheren Energieeffizienz vorzuziehen. Bei allen Planungen wird eine DIN-Berechnung des jeweiligen Straßenquerschnitts erstellt, um die normgerechte Ausleuchtung der Verkehrsflächen zu gewährleisten. […] In der Beleuchtungsberechnung wird entsprechend der DIN-Vorgaben die Einhaltung der Blendklassen überprüft und die Blendklassen werden von allen Herstellern erfüllt. […] Bei allen Planungen wird eine DIN-Berechnung des jeweiligen Straßenquerschnitts erstellt, um die normgerechte Ausleuchtung der Verkehrsflächen zu gewährleisten. Dabei wird darauf geachtet, dass die Beeinträchtigung privater Flächen unter Einhaltung der DIN so gering wie möglich ausfällt. Streulicht über die Verkehrsflächen hinaus lässt sich nicht vermeiden.“

Leider wurde nur sehr kurz auf die Lichtfarbe und Lichtintensität bzw. Lichtstärke eingegangen. Viele Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass der Blauanteil im Lichtspektrum Mensch und Tier schadet. Dieser sollte deshalb so niedrig wie möglich gehalten werden. Der 2021 erschienene Leitfaden zur Straßenbeleuchtung des bayerischen Umweltministeriums empfiehlt eine Lichtfarbe im Bereich 1800 – 3000 K. Warum also verwendet die WVV Leuchten mit der Lichtfarbe 3000 K und nicht weniger?

Auch die Beleuchtungsstärke (Lux, lx) sollte aus ökologischen und ökonomischen Aspekten so niedrig wie möglich gehalten werden. Eine sinnvolle Maßnahme aus unserer Sicht ist die Reduktion der Beleuchtungsstärke in der Nacht. So könnte diese beispielsweise ab 22 Uhr auf 50 % und nach Mitternacht auf 30 % abgesenkt werden. Die im Leitfaden des Umweltamts geforderte Ausrichtung des Lichts ausschließlich nach unten wird, wie in der Antwort zu lesen, schon bei allen neuen Leuchten vorbildlich umgesetzt.

Reduktion der Beleuchtungsstärke nachts

Aufgrund der noch offenen Fragen fand ein Gespräch mit dem leitenden Ingenieur der WVV statt. Die WVV richtet sich vor allem aus rechtlichen Gründen nach den Festsetzungen der DIN 13201, um im Falle einer Unfallklage juristisch nicht angreifbar zu sein. In vielen Bereichen gelten zudem übergeordnete rechtliche Bestimmungen, wie z.B. die Sportstätten- oder Arbeitsstättenverordnung, wo besondere Beleuchtung vorgeschrieben wird. Das bayerische Straßen und Wegegesetz schreibt außerdem vor, dass aus Sicherheitsgründen eine ausreichende Ausleuchtung gewährleistet sein muss. Diese Vorschrift wird in der DIN-Norm fixiert.

3000 K ist als Grenze zwischen warmweißem und neutralweißem Licht festgelegt. Als ein Kontraargument bezüglich wärmerer Lichtfarben wird die abnehmende Energieeffizienz genannt. Zudem wirken sich Lichtfarben unterhalb 3000 K einschränkend auf die Farbwiedergabe aus, welche notwendig ist, um z.B. Verkehrssignale erkennen zu können. Bei 3000 K liegt die Farberkennung des menschlichen Auges bei 100%. Auch die Dunkeladaption ist bei 3000 K relativ gut. Inzwischen gibt es aber moderne LED, die hohe Farbwiedergaben ermöglichen, so dass auch niedrigere Farbtemperaturen möglich sind.

Da die Gesetzeslage seitens der EU im ständigen Fluss ist, werden auch seitens der Leuchtenhersteller entsprechend der Richtlinien immer effizientere und teurere Leuchten entwickelt. Schon jetzt kostet eine Leuchte zwischen 300 und 500 Euro. Hier spielen also auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Eine Leuchte kann aus finanziellen Gründen aufgrund von neuen Entwicklungen nicht beliebig oft ausgetauscht werden. Ein konkretes, aktuelles Beispiel für eine Neuentwicklung ist eine Leuchte, die zwischen zwei Lichtfarben wechseln kann. Ebenso aus finanziellen Gründen sind die Straßenleuchten höher bemessen als ökologisch sinnvoll, denn sie senden somit mehr störendes Streulicht aus. Um möglichst wenig Leuchten anschaffen zu müssen, werden diese so weit wie möglich voneinander entfernt positioniert, was dann mit einer entsprechenden Höhe verbunden ist, um die normgerechte Ausleuchtung der Straße zu erzielen.
Intelligente Lichtsysteme, z.B. Bewegungsmelder können ein Teil der Lösung sein. Diese sind aber noch in der Entwicklung und noch nicht in größerem Maßstab einsetzbar. Die WVV testet hier regelmäßig Neuerungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die WVV wirtschaftlichen und rechtlichen Zwängen unterworfen ist. Andererseits sind Lichtfarbe und Lichtstärke in der DIN‑Norm nicht explizit vorgegeben.

Ein weiteres Gespräch mit der WVV ist bei zunehmender Dunkelheit im Herbst anberaumt, um die unterschiedlichen Leuchten vor Ort in Augenschein zu nehmen. Unser Ziel ist es, mit Hilfe technischer Neuerungen die bestmögliche Lösung für Mensch und Tier zu erreichen.

Simone Haberer, Juli 2021

Erläuterungen und Zusatzinformationen:

Das IDA (International Dark Sky Association) -Programm „Fixture Seal of Approval“ zertifiziert Außenleuchten als „Dark Sky Friendly“ (Nachthimmel-freundlich), wodurch sichergestellt wird, dass sie die Blendung minimieren und gleichzeitig die unbefugte Lichtausstreuung und die Himmelaufhellung reduzieren. Alle im Rahmen des Programms zugelassenen Produkte müssen vollständig abgeschirmt sein und die Menge an blauem Licht in der nächtlichen Umgebung minimieren. https://www.darksky.org/

Anfrage EU-Parlament, März 2021 zur Schädlichkeit von LED-Licht

Antwort im April 2021


Interfraktioneller Antrag vom 19.03.2021

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

ergänzend zum „Antrag auf Berichterstattung zur Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED“ von Frau Stadträtin Simone Haberer, Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vom 24.02.2021, Antrag 31-2021, bezogen auf Vorlage 01/2000-2885/2014, stellen wir den Antrag auf ergänzende Berichterstattung zu folgenden Sachverhalten:

  1. Wurden bei der Ausschreibung / Beschaffung der LED-Beleuchtung umweltrelevante
    Sachverhalte wie a) ökologische Gesichtspunkte (Leuchtdichte, Helligkeit, Farbtemperatur) und
    b) ggfs. subjektive Wahrnehmungsfaktoren von Personen berücksichtigt?
  2. Wurde beim Austausch / der Inbetriebnahme die Einhaltung des BImSchG an den Wohngebäuden im Umfeld der Lichtquelle geprüft oder im Voraus Maßnahmen getroffen, die die Einhaltung sicherstellen?

Begründung:

Neben der energetischen Einsparung, die durch den Einsatz modernen Beleuchtungsmittel erreicht werden soll, sollte die Berücksichtigung des Schutzes von Natur und Bevölkerung nicht vernachlässigt werden. Dies kann ohne höhere Aufwendungen und unter Vermeidung geringerer Energieeinsparung umgesetzt werden wie bereits Beispiele in der näheren Umgebung aufzeigen (Kommunen im Biosphärenreservat Rhön).

Stadträtin Simone Haberer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Stadtrat Sebastian Roth, DIE LINKE

Planungshilfe_Oeffentliche-Strassen-Parkplaetze_Sternenpark_Rhoen


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

gemäß der Vorlage 01/2000-2885/2014 wurde die Fortführung der energetischen Sanierung der Straßenbeleuchtungsanlage und die Abschaltung von Straßenbeleuchtung an verschiedenen Straßenabschnitten am 20.02.2014 im Stadtrat beschlossen.

In diesem Zusammenhang beantrage ich auch im Namen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, um Berichterstattung bezüglich der folgenden Punkte:

  1. Wurden die im Folgenden aus der Vorlage zitierten, 2014 gesteckten Ziele erreicht?

a) Aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben werden im Zeitraum 2014 bis spätestens 2020 5.127 Quecksilberdampflampen im Stadtgebiet auf LED- und Natriumdampf-Leuchten (NAV) umgerüstet.

b) Mangels rechtlicher Verpflichtung wird die Beleuchtung in folgenden Straßenabschnitten abgeschaltet: B 8 (neu) einschließlich Auffahrten von Abfahrt Rosenmühlweg bis Müllheizkraftwerk / Kitzinger Straße von Ortsgrenze Gerbrunn bis Kreuzung Gewerbegebiet Wöllried

  1. In welchen Straßenzügen/ Stadtteilen im Stadtgebiet Würzburg wurde bisher die Beleuchtung auf LED umgestellt? Gibt es eine Übersichtskarte?
  2. Bis wann wird die Umstellung voraussichtlich abgeschlossen sein?
  3. Gibt es Überlegungen bzw. Maßnahmen, die Straßenbeleuchtung, wenn möglich, auf solar betriebene Beleuchtung umzustellen?

Begründung:

Gemäß WVV können 1,5 Mio. kWh Energie und somit entsprechend viel Kohlenstoffdioxid eingespart werden (17.000 Leuchten in Würzburg). Deshalb sollte die Umstellung auf CO2-einsparende Straßenbeleuchtung möglichst zügig voranschreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Haberer, Stadträtin