Hochwasser überflutet Weg

Hochwasser

Erstellung integrales Hochwasserschutz- und Regenrückhaltekonzept für die Stadt Würzburg sowie Gemeindegebiet Reichenberg

Beschlussvorlage des Umwelt- und Klimareferates / Bürgermeister Martin Heilig vom 18.01.2021

Einstimmig beschlossen im Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschuss am 09.02.2021
  1. Die Stadt Würzburg erstellt in Kooperation mit dem Markt Reichenberg ein integrales Hochwasserschutz- und Regenrückhaltekonzept für die Gewässer Reichenberger Bach, Fuchsstädter Bach, Lindbach und Heigelsbach.
  2. Die Erstellung soll durch die Nutzung von Fördermitteln erfolgen.
  3. Die Verwaltung wird beauftragt mit dem Markt Reichenberg eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zu schließen, Fördermittel zu beantragen und die Vergabe in die Wege zu leiten.
  4. Der Antrag Nr. 221/2019 der Stadtratsmitglieder Weber, Wohlfart, Klünder und Dürrnagel zum Hochwasserschutz Heidingsfeld ist somit erledigt.

Begründung:

Angesichts der Zunahme an Starkniederschlägen, Sturzfluten und Hochwasserschäden in den letzten Jahren, sind Investitionen in Hochwasserschutzprojekte – um Bevölkerung, Bebauung und Infrastruktur zu schützen – erforderlich. Eine wesentliche Grundlage für diese Schutzmaßnahmen bilden die hydrologischen und hydraulischen Grundlagen sowie eine umfassende Untersuchung der jeweiligen Gewässereinzugsgebiete. Starkregenereignisse können überall auftreten und zu extrem schnell ansteigenden Wasserständen und zu Überschwemmungen führen. Häufig geht Starkregen auch mit Bodenerosion einher. Aus diesem Grund plant die Stadt Würzburg eine Kooperation mit der Marktgemeinde Reichenberg zur Erstellung eines Hochwasserschutz- und Regenrückhaltekonzepts.

Der Heigelsbach entsteht aus dem Zusammenfluss von Fuchsstädter Bach und Reichenberger Bach und mündet in Heidingsfeld in den Main. Die Aufwertung und Entwicklung der Fließgewässer Heigelsbach, Reichenberger Bach und Fuchsstädter Bach als natürliche Lebensadern sowie wichtige ökologische Vernetzungselemente und der nachhaltige Umgang mit Wasser in ihrem Einzugsgebiet sind dem Markt Reichenberg und der Stadt Würzburg zentrale Anliegen. Zum nachhaltigen Umgang mit Niederschlagswasser und zur Ausweitung des Erosionsschutzes gemeinsam mit der Landwirtschaft setzen sowohl der Markt Reichenberg, wie auch die Stadt Würzburg verschiedene Maßnahmen um.  

Durch die vielfältigen Beziehungen kann die erforderliche naturnahe Entwicklung dieser Fließgewässer, der nachhaltige Umgang mit Niederschlagswasser sowie die effektive Reduzierung des Hochwasser- und Sturzflutrisikos nur durch eine enge partnerschaftliche Abstimmung zwischen den beiden Gebietskörperschaften und ein gemeinsames Handeln erreicht werden.

Das Gewässersystem und sein Einzugsgebiet sind für gravierende, gemarkungsübergreifende Auswirkungen von Starkregenereignissen besonders anfällig. Diese Erkenntnis wird u.a. durch die Ereignisse in Folge des Starkregens in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2016 unterstrichen. Hierbei fielen im Bereich des Ortsteils Fuchsstadt des Marktes Reichenberg in wenigen Stunden Niederschläge von etwa 100 mm Höhe. Im Ergebnis strömten große Mengen an Wasser und Schlamm von den Feldern über die Straßen in den Ort und führten dort zu massiven Überschwemmungen. Durch den Abfluss kam es dann auch im Heigelsbach zu sehr hohen Wasserständen und zu Schäden in dessen Umfeld.

Hochwasserereignisse im Bereich des Heigelbaches und seiner Zuflüsse haben zudem auch Auswirkungen auf die Ausgestaltung des baulichen Hochwasserschutzes zum Main in Heidingsfeld. Derzeit liegen Teile von Heidingsfeld im Überschwemmungsgebiet des Mains. Durch die Errichtung eines technischen Hochwasserschutzes könnte auch dieser Bereich effektiv vor Überflutungen (Bemessungshochwasser: HQ100 plus Klimafaktor) geschützt werden. Die Umsetzung dieses baulichen Hochwasserschutzes beeinflusst wiederum die Ausgestaltung weiterer städtebaulicher Entwicklungsprojekte (z.B. Umgestaltung des ehemaligen Bayla-Geländes etc.).

Eine Basisstudie zum Hochwasserschutz Heidingsfeld des Wasserwirtschaftsamtes liegt seit 2008 vor. Bevor durch das Wasserwirtschaftsamt weitere Schritte zur Detailplanung des Hochwasserschutzes unternommen werden können, muss zunächst ein Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept   für den Heigelsbach mit den Zuflüssen Reichenberger Bach und Fuchsstädter Bach erstellt werden, da der Hochwasserschutz am Main nicht unabhängig davon geplant und umgesetzt werden kann.

Schließlich hängt auch ein wichtiges Verkehrsinfrastrukturprojekt, die Erstellung einer qualitativ hochwertigen und sicheren Radwegeverbindung als Teil der Radachse 9b zwischen dem Markt Reichenberg und der Stadt Würzburg, eng mit dem Heigelsbach zusammen, da eine Wegeführung in dessen Tallage erfolgen muss. Ein Teilbereich des Radwegs auf Gemarkung der Stadt Würzburg wird derzeit errichtet (vgl. Vorlage 04/6500-1114/2020). Für die weitere Ausarbeitung der bisherigen Grobplanungen zum verbleibenden Lückenschluss im Sinne einer Machbarkeitsstudie sind zunächst konkrete Aussagen erforderlich, welche Maßnahmen zur Gewässerentwicklung und zum Hochwasserschutz vorzusehen sind, um einen möglichen Radwegebau eng auf diese Belange abzustimmen. Zudem können die Maßnahmen des Hochwasserschutzes und der Gewässerentwicklung Beurteilungsgrößen – wie Durchflüsse oder die Ausdehnung von Überschwemmungsgebieten – beeinflussen, die für die weitere Planung eines möglichen Radweges von entscheidender Bedeutung sind.

Daher wurden mit dem Markt Reichenberg 2020 verschiedene Gespräche geführt. Im Ergebnis zeigte sich, dass beide Seiten – also der Markt Reichenberg und die Stadt Würzburg – bereit sind, im Jahr 2021 – eine finanzielle Förderung durch den Freistaat Bayern vorausgesetzt – gemeinsam mit der Erstellung des erforderlichen Integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes für den Heigelsbach und seine Zuflüsse Fuchsstädter Bach und Reichenberger Bach zu beginnen und die Erstellung im Jahr 2022 abzuschließen. Der Freistaat Bayern – vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg – hat seinerseits eine finanzielle Förderung der Erstellung des integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes in Höhe von 75 % der förderfähigen Kosten in Aussicht gestellt.

Wesentliche Ziele, die mit der Erstellung dieses integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes verfolgt werden, sind

  • das gesamte Einzugsgebiet der Gewässer zu betrachten und alle drei Handlungsfelder des Hochwasserschutzes (natürlicher Rückhalt, technischer Hochwasserschutz, Hochwasservorsorge) zu berücksichtigen, 
  • aufzuzeigen, wie ggf. in Kombination verschiedener Maßnahmen ein Schutz vor dem hundertjährlichen Hochwasser (+ 15% Klimazuschlag) für bestehende Siedlungsbereiche an den betrachteten Gewässern dritter Ordnung erreicht werden kann und
  • neben dem Hochwasserschutz auch Verbesserungen in den Bereichen Gewässerdynamik, Gewässerqualität, Gewässerökologie, Verringerung der Bodenerosion und des Oberbodenabtrags sowie Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes zu erreichen.

Zwischen dem Hochwasserschutz und der ökologischen Gewässeraufwertung besteht daher ein enges Wechselspiel. Wichtige fachliche Grundlage für die Gewässerentwicklung durch Gewässerunterhaltung und Gewässerausbau sind Gewässerentwicklungskonzepte. Diese zeigen auf, wie ein Gewässer unter den vorhandenen Randbedingungen wieder naturnah entwickelt werden kann. Ein abgeschlossenes Gewässerentwicklungskonzept eröffnet zudem den Zugang zu attraktiven finanziellen Förderungen durch den Freistaat Bayern bei der Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen. Sofern Gewässerentwicklungskonzepte nicht bereits erstellt wurden, müssen diese als Förderbedingung im Rahmen der integralen Rückhalte- und Hochwasserschutzkonzepte als eigenständiger Teil mit entwickelt werden.

Die Stadt Würzburg verfügt seit 2017 über ein Gewässerentwicklungskonzept für die Gewässer III. Ordnung im Stadtgebiet, welches auch den Heigelsbach sowie den Fuchsstädter Bach und den Reichenberger Bach bis zur Gemarkungsgrenze umfasst (vgl. Vorlage 04/6100-7655/2017). 

Für die Reichenberger Gemarkung liegt derzeit noch kein Gewässerentwicklungskonzept vor. Der Markt Reichenberg wird daher zwischen 2021 und 2022 mindestens für den Fuchsstädter Bach und den Reichenberger Bach einschließlich des Lindbaches ein Gewässerentwicklungskonzept in Abstimmung mit dem Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept erstellen lassen. Hierfür können separate Förderanträge gestellt werden, die aber eng aufeinander abzustimmen sind; insbesondere müssen beide Konzepte parallel erarbeite und zeitgleich abgeschlossen werden.

Schließlich wollen der Markt Reichenberg und die Stadt Würzburg auch bei der Umsetzung der Maßnahmen, die sich aus der Erstellung des integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes ergeben, sowie bei der weiteren Planung der Gewässerentwicklung und der Radwegeverbindung eng zusammenarbeiten.

Finanzierung und weiteres Vorgehen:

Für die Planung und Erstellung eines integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzepts wird von Gesamtkosten i.H.v etwa 100.000 € ausgegangen. Bei einer finanziellen Förderung von bis zu 75 % der förderfähigen Kosten durch den Freistaat Bayern (max. Förderquote), entfallen 25 % auf die Stadt Würzburg und den Markt Reichenberg. Der somit verbleibende Eigenanteil i.H.v. ca. 25.000 € wird durch die beiden Partner getragen. Durch die Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Würzburg und dem Markt Reichenberg wird folgende Aufteilung dieses Eigenanteils / der Eigenleistung angestrebt:

  • Stadt Würzburg: 64 % der Kosten und
  • Markt Reichenberg: 36 % der Kosten.

Der Eigenanteil der Stadt Würzburg liegt somit überschlägig bei 16.000 €. Die genauen absoluten Zahlen können erst nach Vorlage der Angebote angegeben werden.

Für die Erstellung des für den Markt Reichenberg zusätzlich erforderlichen Gewässerentwicklungskonzeptes (GEK) werden Kosten i.H.v. etwa 25.000 € veranschlagt, die ebenfalls bis zu 75 % vom Freistaat Bayern gefördert werden. Den Eigenanteil trägt der Markt Reichenberg selbst. In Summe tragen daher beide Partner einen Eigenanteil in vergleichbarer Höhe.

Im Haushaltsplan 2021 der Stadt Würzburg sind für die Umsetzung des Projektes im Unterabschnitt 6900 des Verwaltungshaushaltes 100.000 € an Ausgaben (0.6900.6557) und 75.000 € an (Fördermittel-) Einnahmen (0.6900.1710) vorgesehen.

Mit der Vorlage wird der Stadtrat um Zustimmung zum Vorgehen gebeten, welches mit dem Markt Reichenberg im Vorfeld vereinbart wurde. Sollte der Stadtrat dem Vorgehen zustimmen, so erfolgen im Anschluss die Beantragung der Fördermittel und die Einleitung der Vergabeverfahren. Ein Abschluss der Projekte wird bis spätestens Ende 2022 angestrebt.

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