Konzept zur Benennung von Straßen, Plätzen, Wegen, Brücken und Grünanlagen sowie das Errichten von Stelen und Gedenktafeln

Friedhof
Welche Verstorbenen Bürger*innen soll die Stadt würdigen durch Stele, Gedenktafel oder Widmung einer Straße?

ERFOLGREICH: Antrag vom 03.05.2021

Der Antrag wurde in der Stadtratssitzung am 20.05.2021 mit 24:20 angenommen, obwohl die Verwaltung hier "keinen Handlungsbedarf" sah.

Aktuell gibt es im Stadtrat viele Diskussionen um die Umbenennung einiger Würzburger Straßen und Plätze. Das bringt ans Licht, dass hier prinzipiell Auswahlkriterien und verbindliche Prozesse fehlen. Dazu kommen unklare Zuständigkeiten und fehlende Transparenz. Wir sehen, dass in Würzburg bislang recht willkürlich entschieden wurde, welchen Namen neue Straßen bekommen. Das geht zu Lasten von Frauen und unterrepräsentierten Gesellschaftsgruppen. Deswegen fordern wir ein Leitlinienkonzept für die Benennung von Straßennamen, Plätzen, Brücken & Co. Das umfasst auch den Umgang mit Gedenktafeln und Stelen.


Die Verwaltung möge ein Konzept zur Benennung von Straßen, Plätzen, Wegen, Brücken und Grünanlagen sowie das Errichten von Stelen und Gedenktafeln erstellen. In diesem Konzept sollen folgende Punkte besondere Berücksichtigung finden:

Grundsätze der Benennung/Leitlinien

  • Voraussetzungen/Kriterien für (historische) Stadtmarkierungen (z.B. nur verstorbene Personen, Fristen, unterrepräsentierte Personengruppen)
  • Ausschlusskriterien und Umbenennungsvoraussetzungen
  • Repräsentation der gesamten Stadtgesellschaft
  • Namensgebiete und nicht personenbezogene Benennung

Zuständigkeiten und Vorschlagswesen

  • Einrichtung einer dauerhaften Kommission mit heterogener Zusammensetzung
  • Definition der Zuständigkeiten und des Vorschlagswesens sowie der Partizipation (Bürger*innen, Angehörige, Organisationen, politische Gruppen, Stadtteilgremien, Beiräte)
  • Transparentes Auswahlverfahren nach städtischen Leitlinien
  • Beschluss im Stadtrat

Umsetzung

  • Gestaltung
  • Notwendige Kontextualisierungen
  • Digitale Repräsentation (z.B. Straßennamen-Lexikon)
  • Patenschaften (insb. bei Info-Stelen)
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Entfernung von Stadtmarkierungen

Auch die Empfehlungen des „Ständigen Ausschusses für geographische Namen (StAGN) “ und der „Sachverständigengruppe der Vereinten Nationen für geographische Namen (UNGEGN)“ sollen in das Konzept einfließen.

Begründung:

Namen von Straßen, Wegen, Plätzen, Brücken und Grünanlagen (im Folgenden „Straßennamen“) dienen der Orientierung und müssen aufgrund der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorhanden sein.

Darüber hinaus sind Straßennamen aber auch Teil der Erinnerungskultur einer Stadt, indem historische Personen oder historisch bedeutsame Institutionen, Ereignisse oder Orte verwandt werden. Straßennamen sind immer auch Zeugnis der Stadtentwicklung und Stadtsoziologie.

Bisher wurden die Benennungen nach einzelnen Vorschlägen und durch Festlegung im Stadtrat vorgenommen. Eine strukturierte Auswahl und einen – auch für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren- Benennungsprozess gibt es bisher noch nicht. Lediglich für die Umbenennung einiger Straßen gab es ein Gremium.

Für neue Benennungen und künftige Umbenennungen bedarf es jedoch eines transparenten, verstetigten Verfahrens, intensiver Bürger*innenbeteiligung und guter Dokumentation ähnlich wie in anderen Städten schon üblich (z.B. Kiel ).

Die Benennung soll neben Personen auch Ereignisse, Flur, Natur- oder literarische Namen umfassen können. Im Konzept sollen insbesondere auch Markierungen in Form von Stelen oder Tafeln berücksichtigt werden, da diese durch ihren stärker informativen Charakter die Stadtgeschichte für Passant*innen erfahrbar machen.

Silke Trost, Stadträtin

Lukas Weidinger, Stadtrat


Die Presse berichete:

mainpost.de, 20.05.2021

Debatte um Würzburger Straßennamen: Wer ist würdig als Namensgeber?

wuerzburgerleben.de, 12.05.2021

Leitlinienkonzept zur Benennung von Straßen, Plätzen & Co. gefordert